Verehrt, verurteilt, verbannt.
Er füllte die Konzertsäle der Sowjetunion, sang für Stalin, saß als Homosexueller acht Jahre lang im Gulag und war einer der größten russischen Bühnenstars des 20. Jahrhunderts: Der Tenor Wadim Kosin (1903-1994) war der berühmteste Sänger des Landes, seine Schallplatten waren heiß begehrt. Kein Tag verging, an dem seine Stimme nicht im Radio zu hören war. Doch im Mai 1944 wurde es von einem Tag auf den anderen still um ihn - so, als hätte es ihn nie gegeben.
Thomas Kunze begibt sich auf Spurensuche. Er zeichnet das Leben Kosins nach: von seinem kometenhaften Aufstieg über seine Verhaftung und die Zeit danach, denn auch als freier Mann hat Kosin Sibirien nie mehr verlassen.